Klima-Emotionen

Klimaemotionen- die Macht der Bilder

Kennen Sie diese Bilder? Ein Eisbär schwimmt einsam auf seiner Scholle im Meer, ein verheerender Brand wütet im Amazonas, ständig werden laut den Nachrichten neue Hitze- und Temperaturrekorde in Deutschland gebrochen, in der einen Region Bayerns gibt es Hochwasser, in der anderen regnet es seit Monaten nicht mehr. Lässt Sie das kalt oder was fühlen Sie bei diesen Bildern, die die Folgen des globalen Klimawandels darstellen? Sind Sie betroffen oder wollen Sie das alles gar nicht hören?

Bei mir regt sich bei solchen Meldungen und Bildern ein ganzes Sammelsurium an Emotionen. Mal möchte ich mich nicht mit den Fakten auseinandersetzen, bin traurig und etwas verzweifelt. Dann fühle ich mich hilflos. Manchmal werde ich aber durchaus auch wütend und das sind nur einige der Gefühle, die bei den Bildern des Klimawandels entstehen – die Klima-Emotionen.

Jetzt bin ich Wissenschaftlerin mit einem Schwerpunkt in der Klimaforschung und weiß um die Fakten. Dennoch fesseln mich die Bilder und Nachrichten von den extremen Auswirkungen und es führt nicht nur mir, sondern sehr vielen Menschen die Wichtigkeit des Themenkomplexes Klimawandel vor Augen. Es entsteht eine Betroffenheit und wie bei mir eine emotionale Bandbreite von Trauer bis hin zur Verzweiflung. Das kann aber auch ein Gefühl der Ohnmacht verursachen oder des Trotzes a la „es betrifft mich ja eh nicht!“ oder „was kann ich als Einzelne schon ausrichten“.

Stellen Sie sich einen Windpark vor. Oder denken Sie an die vielen Fahrradfahrer in der Stadt, an die ständig wachsende Zahl von Bioprodukte in den Supermärkten, an die vielen Menschen bei den Fridays-for-future Demonstrationen. Was fühlen Sie wiederum bei diesen Bildern? An was denken Sie da? Vielleicht an das Windrad in Ihrer Umgebung, Fahrradfahrer in Ihrer Stadt, Ihren Einkauf im Supermarkt mit seinem Biosortiment, die letzte Demonstration bei Ihnen in der Nähe?

Ich fühle mich diesen Bildern näher, sie lösen positive Gefühle bei mir aus. Der nächste Windpark steht an der Autobahn, ich versuche auch möglichst viel zu radeln und mit Bedacht nachhaltig einzukaufen. Auch das sind Bilder des Klimawandels, aber mit einer ganz anderen Botschaft: jeder kann etwas tun! Das Klima zu schützen ist nichts, was mich nicht betrifft und wo ich nichts machen kann.

Analysen von Bildern zur Darstellung der Folgen des Klimawandels haben ergeben, dass sich die Menschen am ehesten angesprochen fühlen, wenn die Bilder lokale Auswirkungen mit echten, wenigen Menschen zeigen oder auch die Ursachen mithilfe solcher Bilder dargestellt werden. Sie müssen emotional bewegen und eine Geschichte erzählen. Wenig geeignet sind Fotos von Protesten, Politikern, abstrakten Diagrammen und Karten. Insgesamt sollten die Bilder immer auf die Zielgruppe abgestimmt sein.

Klimakommunikation – eine wichtige Disziplin

Es gibt einen ganzen Wissenschaftszweig der Klimakommunikation, der sich der Frage widmet, wie man Menschen dazu bewegen kann, nach rund 30 Jahren der Diskussion und der Faktensammlung ins Handeln zu kommen. Dabei geht es um die Kommunikation von Klima und Klimawandel aus einer wissenschaftlichen Sicht heraus mit dem Ziel, die Lücke zwischen Wissen und Handeln zu verkleinern. Diese Definition bedeutet nun: welche Bilder und Worte wähle ich, um meine Zielgruppe und Menschen mithilfe der Klima-Emotionen dazu zu bewegen, sich angesprochen zu fühlen und für sich auf den Gedanken zu kommen, etwas an ihrem Tun zu verändern.

Was bedeutet also die Verwendung der oben genannten Bilder und das Hervorrufen der Emotionen durch diese? Ein Ergebnis der bisherigen Forschungen dazu war das Aufzeigen eines zentralen Dilemmas: einerseits fesseln Fotos von Extremwetterereignissen (etwa Stürmen oder Fluten) das Publikum und führen ihm die Wichtigkeit des Klimawandels vor Augen. Aus diesem Aspekt eignen sie sich also durchaus für die Klimakommunikation. Andererseits aber können sie ein Gefühl von Ohnmacht oder wenig eigener Betroffenheit hinterlassen, was gute Klimakommunikation ja gerade nicht will. Dagegen vermitteln Bilder aus der unmittelbaren Lebenswelt von Maßnahmen zur Schonung des Klimas, wie in unserem Fall die Windräder oder die Fahrradfahrer, ein positives Gefühl. Sie sind aber wenig fesselnd, da sie alltäglich sind.

Mit diesem Dilemma setzen sich verschiedene Disziplinen auseinander mit unterschiedlichen Ansätzen. Im Folgenden zeige ich dies an vier Wissenschaftszweigen mit beispielhaften Fragestellungen:

Kommunikationswissenschaften: wie können Medien genutzt werden, um möglichst viele Menschen möglichst seriös über die Fakten aufzuklären, Desinformation aufzudecken und zu vermeiden (Fake-News, etc.) und zum Klimahandeln zu bewegen?

Ökonomie: welche Anreize muss ich schaffen, damit das Kollektiv handelt? Welche harten Instrumente wie Steuern und Gesetze kombiniert man mit welchen weichen Instrumenten wie Bildung und Verhaltensänderungen?

Psychologie & Soziologie: wie können sich Gewohnheiten und Verhaltensweisen in der Gesellschaft im Sinne eines klimafreundlichen Lebensstils und Konsums ändern? Wie verbindet man die unterschiedlichen Interessenslagen?

Philosophie & Ethik: gibt es eine moralische Pflicht zur nachhaltigen Klimapolitik? Wie können neue moralische Ansichten dazu beitragen, Willensschwächen zu überwinden?

Emotional-geleitetes Klimahandeln

So vielfältig wie unsere menschlichen Emotionen sind, so vielfältig sind auch die Ansätze, um Menschen zu einem emotional-geleiteten Klimahandeln zu bringen. Das kann in zwei grobe Richtungen gehen: die eine Richtung führt zu einem klimafreundlicheren Handeln, die andere zur Klimaskepsis oder gar Leugnung.

Letztere führt zu einem Handeln wie bisher (business-as-usual) ohne moralische Bedenken gegenüber zukünftigen Generationen oder vulnerablen Ökosystemen und Gruppen. Die Fakten werden durch Emotionen wie Wut, Ohnmacht, Genervt-sein, Ignoranz, Überforderung verdrängt oder man ist diesen gar nicht mehr zugänglich. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden verdreht oder auch durch alternative Erkenntnisse der Klimawandelskeptiker genutzt, um die Emotionen zu festigen und ein negatives Klimahandeln zu fördern. Diese Art der Klimakommunikation und des Klimahandelns ist insofern leichter und bequemer, weil die Menschen ihr Verhalten und ihren Konsum nicht ändern müssen. Sie müssen keine Entscheidungen treffen, ob ihr Verhalten klimaschädlich ist oder nicht, denn es ist es und das wird bewusst in Kauf genommen.

Das klimafreundliche Handeln dagegen braucht Vorbilder und kämpft gegen liebgewonnene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten. Hier werden Emotionen wie Mitleid, Verantwortungsbewusstsein, Zufriedenheit, Trauer oder auch Nächstenliebe benutzt, um ein Klimahandeln zu erzeugen. Es gilt hier solche Bilder zu verwenden, die die Menschen anspricht anstatt sie aufzuwühlen und zu verschrecken. Das Klimahandeln muss für jeden möglich und leicht umsetzbar sein. Die Fakten müssen so darstellt werden, dass sie leicht verständlich sind und von Vorbildern präsentiert werden, an denen sich die Menschen orientieren. Alle großen gesellschaftlichen Umbrüche bedürfen einer gewissen Masse, die die Veränderungen antreiben und leben.

Der Klimawandel lässt keinen von uns kalt, er berührt uns alle auf die ein oder andere Art. Alle Emotionen sind erlaubt und notwendig, um das Thema voranzubringen. So lässt sich mit dem Fahrradfahren vielleicht doch noch die Scholle des Eisbären retten und mit den Windrädern der Waldbrand löschen.

Weiterlesen im Thema

Bilderdatenbank Climate Visuals: https://climatevisuals.org/climate-visuals/
www.klimafakten.de
Science Media Center Deutschland (2019): Klimawandel – Wer hilft den Menschen sich zu ändern? Teil 1. https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/rapid-reaction/details/news/klimawandel-wer-hilft-den-menschen-sich-zu-aendern-teil-1/
Wissenschaftskommunikation (2021): Schwerpunkt Klimakommunikation. www.wissenschaftskommunikation.de

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